Ganz weit am Rande, im Norden Frankfurts, findet sich der Stadtteil Kalbach/Riedberg. Hier hat der naturwissenschaftliche Campus der Goethe-Universität seinen Standort. Warum der Campus an den Rand der Stadt gebaut wurde, weiß niemand so genau, dennoch hat sich der Standort durchgesetzt.

Eine lange Tradition hat Riedberg noch nicht, Kalbach hat historisch hingegen mehr zu bieten. Erst 1990 begann die Planung Riedbergs und noch heute sind dort Bauarbeiten im vollen Gange.

Das historische Kalbach

Kalbach war nie „in festen Händen“. Die Güter und Leibeigenen von Kalbach wurden mehrfach verschenkt, verpfändet, zurückgekauft und vererbt. Wäre Kalbach ein Mensch, wäre es ganz schon rumgekommen.

Im 15. Jahrhundert kam Kalbach dann in die Hände der Grafschaft Königstein und blieb dort dann bis ins 16. Jahrhundert. Danach gehörte es zum Johanniterhaus, Falkenstein und dem Graf Eppstein. Nachdem 1535 der Graf von Eppstein verstarb, erbte sein Neffe Graf Stolberg die Grafschaft. Eigentlich sollte Kalbach durch einen Zusammenschluss mit fünf Nachbargemeinden zur Gemeinde Eschbachtal eingegliedert werden, nachdem dies aber gescheitert war, wurde Kalbach 1972 kraft Landesgesetz nach Frankfurt am Main eingegliedert. 2006 kam es dann zur Vergrößerung des Stadtteils durch das Neubaugebiet Riedberg.

Bonifatiusbrunnen

Am Hang der Kalbacher Höhe befindet sich der Bonifatiusbrunnen, Er ist Zwischenstation am neu errichteten Bonifatiusweg für Pilger und Wanderer. Die Quelle soll entstanden sein, als ein Pilgerzug hier im Jahr 754 übernachtete. Die Gebeine des heiligen Bonifatius, Apostel der Deutschen, sollten von Mainz nach Fulda überführt werden. Der Kalbach sprudelte angeblich aus dem Boden und war so auch Namensgeber für den Ort.

Beim Bonifatiusbrunnen handelt es sich somit um einen geschichtsträchtigen Ort. Er befindet sich im Bonifatiuspark. Neun steinerne Stufen führen hinab zur Quelle. Die daneben befindliche Sitzmauer mit Steinkreuz geben diesem Ort ein religiöses und spirituelles Flair.

Das Wahrzeichen hat jedoch erst seit 17 Jahren seine jetzige Form. Im Jahr 2004 wurde es umgestaltet. Aus einem Wasserloch wurde so ein richtiger Brunnen.

Heute nutzt vor allem die Laurentiusgemeinde den Brunnen als Treffpunkt für spirituelle Angebote. Die Gemeinde feiert hier regelmäßig ökumenische Gottesdienste.

Als Teil der sogenannten Bonifatius-Route, befinden sich neben dem Brunnen noch zwei Hinweisschilder. Diese Wanderroute ist 172 Meter lang und führt von Mainz nach Fulda, so wie es damals der Leichenzug des heiligen Bonifatius tat.

Ein neuer Stadtteil für Frankfurt: Riedberg

Erst 1990 kam man auf die Idee die restlichen Gebiete, um Kalbach ebenfalls zu bewohnen und hier einen neuen Stadtteil zu erschaffen. Die Plannungen begannen und zogen sich über die gesamten 90er Jahre hinweg. Der erste Bebauungsplan, der verbindlich wurde, galt erst im Jahr 2000. Dass es in dieser großen Zeitspanne auch zu stilistischen Veränderungen im klassischen Stadtbild kommen könnte, war den Machern zwar bewusst, dennoch war dies kein Grund für eine Änderung.

Es war ein Mammutprojekt. Der Riedberg umfasst um die 266 Hektar. Im Fokus stand hierbei hauptsächlich der Wohnungsbau. Doch wo Menschen leben, bedarf es auch mehr Infrastruktur. Also mussten hier auch einige Supermärkte, Kindergärten und der Anschluss an das Straßenbahnnetz her.

Seitdem gab es geradezu einen Immobilienboom auf dem Riedberg. Viele Familien berichten, dass die Preise für ihre Häuser bereits um ein Viertel gestiegen sind. Heute ist günstiges Wohnen nur noch am Rande des Riedbergs möglich.

Das Riedberg an sich, ist ein sauber strukturiertes Viertel. Ein Haus gleicht dem nächsten. Alles ist sehr dicht bebaut und könnten eigentlich noch ein paar Stockwerke mehr nach oben gebrauchen. So hätte es mehr freie Flächen geben können.

Campus Riedberg der Goethe-Universität

Der Campus Riedberg ist der naturwissenschaftliche Campus der Goethe-Universität. Hier werden chemische, biochemische und physikalische Anwendungen erforscht. Etwa 4000 Studierende besuchen in normalen Zeiten den Campus täglich.

Das erste Gebäude der Universität wurde hier bereits 1972 angesiedelt, als es noch der Campus Niederursel war. Der Fachbereich Chemie war damals der einzige ansässige. Nach Auflösung des Campus Bockenheims wurden die restlichen naturwissenschaftlichen Fachbereiche hier angesiedelt. Seitdem kam es zu mehreren Baumaßnahmen. Lehrgebäude wie das Frankfurt Institute for Advanced Studies oder auch das Biologikum wurden errichtet, ebenso wie neue Wohnheime. Um die Forschung weiter voranzutreiben, wurde 2013 noch das Forschungsgewächshaus fertiggestellt. Hier sollen Pflanzen angezüchtet, gepflegt, unterhalten und präsentiert werden.

Mit Einzug des Campus haben sich naturwissenschaftliche Unternehmen wie die Life Sciences oder auch Forschungsinstitute wie das Max-Plank-Institut sich ebenfalls hier niedergelassen.

Kätscheslachpark – mit eigenem Regenwassersystem

Doch Kätscheslach heißt nicht nur der Weiher, sondern auch der darum befindliche Park. Eine Grünanlage auf dem Riedberg, die nicht hauptsächlich als Erholungsort für die Bürger dient, sondern der Entwässerung und Wasseraufbereitung. Daher befinden sich in diesem Park auch keinerlei Spielplätze oder andere Freizeitangebote. Allerdings gibt es hier einen Geopfad, ein von der Stadt Frankfurt und Goethe-Universität eingerichteter Lehrpfad.

Ein nachhaltiges System für Wasser überlegte sich die Stadt Frankfurt erst 2002 am Kätcheslachweiher. In einem großen Landschaftarchitektur-Wettbewerb konnte sich das Berliner Büro Weidinger Landschaftsarchitekten durchsetzen. Der Kätscheslachweiher sollte von da an eine wasserwirtschaftliche Bedeutung annehmen. Der Kätscheslachweiher wurde mit Baukalk abgedichtet, um eine Vermischung von Oberflächenwasser und Grundwasser zu vermeiden. Um Überschwemmungen entlang von Kätscheslach und Kalbach zu verhindern, wurde die Drosselung der abfließenden Wassermenge auf maximal zehn Liter Wasser pro Sekunde und Hektar. Das geschieht über mehrere kleine Regenwasser-Rückhaltebecken. Sie werden über Gräben von Süden und Westen in ein dem Teich westlich vorgeschaltetes Klärbecken geleitet.

(Text und Fotos: TL)

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