Nicht viele Frankfurter können von ihrem Stadtteil berichten, dass sie genauso schnell in der Stadt, wie im Wald sein können. Doch in Niederrad verbindet sich die Natur mit dem städtischen Fler. Mit der S-Bahn in 5 Minuten in der Innenstadt und zu Fuß in 5 Minuten im Stadtwald. Niederrad bietet jedem das, was er gerade braucht.  

Mit seiner Lage südlich des Mains ist Niederrad durch seine Vielfältigkeit ein besonders attraktiver Stadtteil für viele Bürger.  

Im Sommer kann man nicht nur schöne Sonnenstunden im Licht- und Luftbad am Main tanken, sondern auch die zahlreich ausgestatteten Parks, machen Niederrad zu einer reinen Erholungsoase. 

Die Geschichte Niederrads – Das Dorf der Wäscher 

Niederrad hat historisch mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Für viele Frankfurter ist Niederrad auch heute nur als Bürostadt bekannt. Jedoch fängt die Geschichte Niederrads bereits viel früher an. Noch zu Zeiten, als man noch keine Büros kannte.  

Das erste Mal wurde Niederrad 1151 erwähnt. Lediglich als Rode zwischen Sachsenhausen und Schwanheim. Mehr über Niederrad ist aus der Zeit des 14. Jahrhunderts erhalten worden.  

Die damalige Bevölkerung hatte großen Nutzen von der Lage Niederrads. Niederrad liegt direkt an einer Schleife des Mains, was der damaligen Landbevölkerung die Gelegenheit bot, sich hieraus einer Nebentätigkeit als Wäscher zu bedienen. Schon bald hatten sich hier mehr als 100 Betriebe angesiedelt. Niederrad wurde als „Wäscherdorf“ in der Gegend bekannt. 

Auch schwierige Situationen mussten die Niederräder in der Vergangenheit überstehen. Bereits 1552 wurde Niederrad das erste Mal in Brand gesetzt. 1616 brannte Niederrad dann, aufgrund der Unvorsichtigkeit eines Einwohners erneut ab – doch diesmal fast vollständig.  

Im Heimatmuseum Niederrad, kann man sich hierzu Ausstellungen zur Geschichte Niederrads an jedem Dienstag in der Woche von 14 bis 17 Uhr anschauen.  

Historisches Frauenhoftor ist noch heute gut erhalten 

Das barocke Frauenhoftor.

Während der Großteil der Niederräder in der Wäscherei tätig waren, hatte Johann Friedrich Müller 1761 eine andere Idee. Als Kattunfabrikant eröffnete eine Baumwollfabrik. 

Für seine neue Kattun-Fabrik brauchte er zunächst ein Gebäude. Hierzu ließ er zuerst den nördlichen Teil des Frauenhofs errichten. Nachdem er dann Erfolg mit seiner Fabrik hatte, wollte er das Gebäude erweitern. Hierzu erwarb Müller auch das gegenüberliegende Grundstück. Der Bau dauerte bis 1781.  

Der Name „Frauenhof“ entwickelte sich jedoch erst später heraus. Ab 1841 war das Anwesen für einige Jahre im Besitz des Katharinen- und Weißfrauenstifts. 

Niederrad verpflichtete Müller daraufhin, die neuen Bauten so zu gestalten, dass weiterhin ungehindert Zufahrt zum Dorf gewährleistet werden konnte. So entstand das Frauenhoftor, welches heute noch vollständig erhalten ist.  

Jedoch wurde bei einem Luftangriff im zweiten Weltkrieg 1944 das Dach und der Uhrenturm des Frauenhofs durch eine Fliegerbombe zerstört. Daraufhin wurde zwar ein Notdach errichtet, jedoch wurde dieses nicht mehr saniert und auch der Uhrenturm nicht wiederhergestellt.  

Der Frauenhof wurde im Januar 2007 versteigert, um das Gebäude zu erhalten, zu restaurieren und neu nutzen zu können. Heute dient der Frauenhof als Wohngebäude, auch haben ein türkischer Kulturverein und eine Moschee dort ihre Räume. Das Gebäude steht bis heute unter Denkmalschutz.  

Dieses Gebäude ist neben dem Bolongaro-Palast in Höchst, die einzige noch vollständig erhaltene Barockanlage in Frankfurt.  

Das Licht- und Luftbad im Nationalsozialismus 

Zwölf Jahre NS-Diktatur veränderten auch Niederrad. Zwar konnten im Licht- und Luftbad, als eines der letzten öffentlichen Bäder in Frankfurt, Juden noch bis 1938 baden gehen, doch hatte die SA die Bäderanlage 1939 bereits vollständig übernommen.  

Hierüber können sich interessierte Bürger auch noch heute vor Ort informieren. 1994 wurde eine Gedenktafel angebracht, welche an die Verfolgung der Juden in Frankfurt erinnert und über das Geschehen berichtet.  

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Licht- und Luftbad durch die Alliierten als Erholungsort genutztbis das Sport- und Badeamt in Frankfurt die Verwaltung übernahm. Im Mai 2003 wurde das Gelände neu eröffnet und unter dem kürzeren und prägnanteren Namen LiLu bekannt gemacht. 

Ein kleines Highlight befindet sich auf der Brücke zum LiLu, der Blick nach rechts zeigt einem das Garden Boat. Ein bepflanztes Hausboot, welches das ganze Jahr lang am Steg liegt. Es ist kaum möglich daran vorbeizugehen, ohne ein Foto zu machen. 

Ausblick auf den Main vom Licht- und Luftbad aus.

Der Ausbau des Lyoner Quartiers oder da wo die Worscht herkommt  

Doch auch in der Moderne hat Niederrad viel zu bieten. Das Lyoner Quartier ist heute ein riesiger Bereich in Niederrad. Seit man hier vor einiger Zeit die Bürostadt gründete hat sich viel getan im ehemaligen reinen Gewerbegebiet. 

Die Bürostadt sollte zunächst nur durch die Arbeiter besucht werden. Jedoch bemerkte man schnell, dass wenn man die Arbeiter nach Niederrad holt, diese auch Einkaufsmöglichkeiten brauchenDas Viertel musste sich von da an weiterentwickeln. Aus dem ehemaligen Gewerbegebiet, wurde ein Mischgebiet und auch die ersten Wohnbauten wurden gebaut.  

Seitdem hat sich viel getan. Es sind viele neue Wohnbauten errichtet worden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nun genug und auch der Bau einer Grundschule wird zurzeit vorangetrieben.  

Die Standort Initiative Neues Niederrad e.V. (SINN) begleitet diesen Vorgang aktiv und setzt sich für den Wandel in der ehemaligen Bürostadt ein.  

2015 war dann auch der Name Bürostadt hinfällig und die Einwohner Niederrads wurden in einem Wettbewerb dazu aufgefordert, Namen für das neue Gebiet zu finden. Dieser Wettbewerb wurde von SINN organisiert und war nicht bindend. Das Recht einem Bezirk einen Namen zu geben obliegt dem Ortsbeirat 5.  

Seit 2017 heißt die Bürostadt nun Lyoner Quartier. Den Wettbewerb gewonnen hat allerdings der historisch abgeleitete Name: „Rothenham“. Hierbei handelte es sich um ein Grundstück, das zwischen Niederrad und Schwanheim 1865 gelegen haben soll.  

Der Ortsbeirat 5 hat sich somit über die Köpfe der Niederräder hinweggesetzt und dem Viertel einen Namen gegeben, welcher an die bekannte Lyoner Wurst erinnert.  

Die einzige Verknüpfung zu Lyon liegt darin, dass die Lyoner Straße durch das gesamte Gebiet der ehemaligen Bürostadt führt. Auch ist Lyon Partnerstadt von Frankfurt. Ein spezieller Bezug zu Niederrad ist ansonsten jedoch nicht vorhanden.  

Die Standort Initiative konnte sich lediglich mit der Änderung der Bezeichnung Quartier statt Viertel durchsetzen, damit der neue Name weniger nach Metzger und mehr nach Frankreich klingt.  

Der neue Deutsche Fußball-Bund (DFB) 

Doch nicht nur die Bürostadt befindet sich im Wandel. Dort wo früher einmal die Pferderennbahn und der Golfclub Niederrad angesiedelt waren, befindet sich heute eine Baustelle. In einer Volksabstimmung 2015 hatten sich zu wenig Niederräder für den Erhalt der Rennbahn und des Golfclubs ausgesprochen und der Weg für das neue DFB-Gebäude war frei. 

Sogar Angela Merkel hat es zur feierlichen Grundsteinlegung Ende September 2020 geschafft, einmal Niederrad zu besuchen. 2021 ist der Bau des DFB-Gebäudes bereits weit fortgeschritten. Man erkennt schon Akademie und Zentrale.  

Neuer Bürgerpark neben dem DFBGelände 

Um den Baumbestand, die bereits angelegten Sandbunker und den Teich auf dem Gelände des ehemaligen Golfplatzes zu erhalten, gibt es seit 2015 konkrete Pläne zum Bau eines Bürgerparks direkt am DFB-Gebäude. 

Dieser soll allen Bürgern Frankfurts die Möglichkeit bieten, sich ein wenig Erholung im Grünen zu holen. Zwar hat Niederrad bereits den Elli-Lucht-Park sowie den Carl-von-Weinberg-Park, doch erfreut man sich hier, über die Möglichkeit, den neuen Park mitzugestalten.  

In einer Bürgerversammlung wurde das Projekt noch unter dem Namen „Bürgerpark-Süd“ vorgestellt. Die Bürger wurden explizit dazu aufgerufen, ihre eigenen Ideen und Vorstellungen in die Planung des neuen Parks mit einzubringen. Inzwischen wurde der Name fest beschlossen, dePark wird zukünftig „Rennbahn-Park“ heißen.  

Im März 2021 werden nun die Garten- und Landschaftsbauarbeiten ausgeschrieben und bereits ab Sommer 2021 beginnen die Umgestaltungsarbeiten. Die Fertigstellung ist für den Sommer 2022 geplant.  

Niederrad wird also auch in Zukunft seinen Bürgern einen Fleck im Grünen mit städtischer Anbindung bieten können.  

(Text: TL)

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