Teddyklinik bringt Kindern Klinikalltag näher
FRANKFURT (PM) Wenn Teddybären Bauchschmerzen oder Kuschelhasen sich den Arm gebrochen haben, ist schnelle Hilfe gefragt. In der Teddyklinik des Universitätsklinikum Frankfurt übernahmen Medizinstudierende und angehende Pflegefachkräfte vom 4. bis 9. Mai erneut die Rolle von „Teddy-Docs“. Gemeinsam mit mehr als 1.500 Kindern behandelten sie kranke Stofftiere und machten medizinische Abläufe kindgerecht erlebbar. Die Idee dahinter geht weit über ein spielerisches Angebot hinaus: Die Aktion soll Vertrauen in medizinische Einrichtungen schaffen, bevor Kinder selbst Patientinnen oder Patienten werden. „Die Teddyklinik ist längst ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Förderarbeit geworden“, erklärt Michael Henning von der Kinderhilfestiftung Frankfurt e. V., die das Projekt unterstützt. Die Aktion fand bereits zum 17. Mal statt.
Für sechs Tage verwandelte sich das KOMM-Studierendenhaus in eine realitätsnahe Kliniklandschaft: Aufnahme, Behandlungsräume, Operationssaal und Apotheke – alles war vorhanden. Auch ein Rettungswagen des Malteser Hilfsdienstes stand bereit und wurde von den Kindern neugierig erkundet. An der Aktion nahmen rund 1.500 Kinder aus mehr als 50 Kindergärten aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet teil. „Besonders wichtig ist uns, dass die Kinder nicht nur Zuschauer sind, sondern sich aktiv beteiligen. Sie begleiten ihre Kuscheltiere durch Diagnose, Behandlung und Nachsorge – und übernehmen dabei selbst Verantwortung“, erklärt Projektleiter Jakob Obergfell, Studierender der Humanmedizin im 10. Semester. „Diese Perspektivumkehr stärkt nicht nur das Verständnis für medizinische Prozesse, sondern auch das Selbstbewusstsein der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.“

Frühe Gesundheitsbildung mit prägender Wirkung
Ein Krankenhausbesuch kann für Kinder mit Unsicherheit und Angst verbunden sein. Die Idee der Teddyklinik setzt genau hier an: In einer geschützten, spielerischen Umgebung lernen Kinder, was bei Untersuchungen oder Operationen passiert. Ob Blinddarm-OP beim Teddybären, Gipsverband für den Kuschelfreund oder sogar eine „Schwangerschaft“ im Teddybauch – die Teddy-Docs erklären verständlich und einfühlsam komplexe medizinische Themen. Das Konzept, ursprünglich aus Skandinavien stammend, wird in Frankfurt bereits seit 2008 erfolgreich umgesetzt.
Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt, ergänzt: „In der Teddyklinik entstehen durch spielerische Begegnungen positive Erfahrungen: Die Kinder erleben, dass hier alles auf sie und ihre Begleitpersonen aus-gerichtet ist und der Mensch – ebenso wie der geliebte Teddy – im Mittelpunkt steht.
Gleichzeitig profitieren auch die Medizinstudierenden, die im Umgang mit den Kindern wichtige soziale und kommunikative Fähigkeiten entwickeln. Insgesamt leistet die Teddyklinik damit einen frühen Beitrag zur Förderung von Gesundheitskompetenz – dafür sind die Kinder und ihre Kuscheltiere an der Universitätsmedizin Frankfurt genau richtig. Unser Dank gilt allen Förderern und insbesondere den Studierenden, die dieses großartige Projekt ermöglichen.“
Organisiert wurde die Teddyklinik in diesem Jahr von 25 Studierenden aus Humanmedizin und Pharmazie sowie Auszubildenden in Pflegeberufen. Auch Studierende der Hebammenwissenschaften waren beteiligt, ebenso waren in diesem Jahr zum ersten Mal Studierende von der Fachschaft Psychologie dabei. Jakob Obergfell betont: „Die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe macht die Teddyklinik nicht nur realistischer, sondern zeigt auch, wie wichtig Teamarbeit im Klinikalltag ist.“
Prof. Dr. Jan-Henning Klusmann, Direktor Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, erläutert: Mit großem Engagement organisieren die Studierenden jährlich die Teddyklinik. Auch für die Studierenden ist dies eine wichtige Erfahrung im Umgang mit Kindern und ihren Bedürfnissen.“
Für die angehenden Fachkräfte selbst ist das Projekt ein wichtiger Baustein ihres Studiums: Sie üben Kommunikation auf Augenhöhe, Empathie und den Umgang mit jungen Patientinnen und Patienten – Kompetenzen, die im späteren Berufsleben entscheidend sind.
Diese Partner und Förderer machten die 17. Teddyklinik möglich:
Die Kinderhilfestiftung e. V. finanzierte das Projekt, ebenso kam finanzielle Unterstützung vom Medizinberater Team (MLP) Frankfurt, die Rewe Group stellte Obst sowie Mineralwasser zur Verfügung, von der Hassia Group kamen Bionade-Getränke. Der Malteser Hilfsdienst war mit einem Rettungswagen, Sanitäterinnen und Sanitätern vor Ort, Bärentreff Die Fruchtgummifabrik spendierte Fruchtgummi-Tütchen und der Marburger Bund stellte Pixi Bücher zur Verfügung. Rund 1.500 Teddybären kamen von der Stiftung Giersch, das gemeinnützige Aktionskomitee Kind im Krankenhaus (AKIK) informierte über seine Arbeit, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (ApoBank) stellte Goodie-Bags zur Verfügung, der Buchverlag Macolino Kinderbücher steuerte Kindermärchen-Bücher bei und vom Wort & Bild Verlag kamen Medizini-Zeitschriften, Stundenpläne und Lesezeichen für die Kinder.
Über die Kinderhilfestiftung e. V. Frankfurt
Die Kinderhilfestiftung e. V. ist eine Initiative der Bürger und der Wirtschaft des Rhein-Main-Gebiets und wurde 1982 als eingetragener Verein gegründet, um Kindern insbesondere dort schnell, unbürokratisch und wirkungsvoll zu helfen, wo keine anderen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Seit ihrem Bestehen hat die Kinderhilfestiftung mehr als 800 Projekte – vorwiegend in der Rhein-Main-Region – initiiert oder gefördert. Im Mittelpunkt des Engagements steht die Hilfe für chronisch kranke, behinderte und misshandelte Kinder und ihre Familien. Dabei ist die Integration von behinderten Kindern ein besonderes Anliegen.
Weitere Informationen unter www.kinderhilfestiftung.org
Fotos: Balcom/Heike Fauser
Titelfoto:
Von rechts: Dr. Michael Henning, Vorstandsvorsitzender Kinderhilfestiftung e. V., Prof. Dr. Jürgen Graf
Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums, und Jakob Obergfell, Projektleiter der Teddyklinik









