Die 26. Ausgabe des Türkischen Filmfestivals Frankfurt startet mit bewegenden Momenten
INNENSTADT (ES) Der Kinosaal sechs ist voll. Nur vorn, von der Bühne aus gesehen links, sind noch zwei Plätze frei. Dort sollten Filmstar Sibel Kekilli und Andreas Deurer sitzen. Doch die beiden verspäten sich. Aber die 26. Ausgabe des türkischen Filmfestivals muss starten. So legt das Moderatorenteam, das aus dem Schauspieler Yekta Kopan und Ebru Susur besteht los und wenige Minuten später huschen auch Sibel Kekilli und Deurer auf ihre Plätze.
Hüseyin Sitki, Macher des Festivals, strahlt vor Zufriedenheit. „Ehrlich gesagt, hatte ich nicht wirklich mit einem so großen Andrang gerechnet“, hatte Sitki im Foyer des Cinestar Metropolis, in dem das Festival noch bis Freitag, 19. Juni, stattfindet, gesagt. „Ich bin total überwältigt“, fügt er noch hinzu und erklärt, warum neben der Mimin Vahide Percin, die nicht vor Ort sein konnte, Erdal Özyağcılar, der mit seiner Tochter Zeynep Özyağcılar in die Mainmetropole gekommen war, Sibel Kekilli dies Auszeichnung erhielt.
„Ihre Erfolge sind schon Grund genug, um sie zu ehren“, bekräftigt Sitki. Sibel Kekilli ist bekannt, weil sie in dem Film „Gegen die Wand“ von Fatih Akin mitspielte, außerdem war sie im Kieler „Tatort“ fünf Jahre lang an der Seite von Axel Milberg auf Gangsterjagd und nicht zuletzt verkörperte sie in einer der weltweit wohl bekanntesten Serien, „Game of Thrones“, die Rolle der Shae.
„Als Frau und als Künstlerin hat sie es geschafft, sich einen Namen zu machen“, argumentiert Sitki kurz vor Beginn der Veranstaltung weiter. Außerdem setze sie sich seit Jahren schon für die Rechte der Frauen ein, nannte er einen weiteren Grund.
Kurz nach der Übergabe des Preises durch Jan Klingelhöfer, der in Vertretung des Oberbürgermeister im Lichtspielhaus war, der übrigens ein Videogrußwort gesandt hatte, hob die Ausgezeichnete die Bedeutung kultureller Veranstaltungen hervor: „Ich danke Ihnen herzlich für diese Auszeichnung. Ich weiß, wie schwierig es ist, ein Festival über 26 Jahre hinweg erfolgreich zu organisieren. Solche Festivals sollten von staatlicher Seite und von den Kommunen deutlich stärker finanziell unterstützt werden.“
Alle redeten über Kultur und übers Zusammenfinden, „aber dann sollten sie auch mehr Geld dafür geben“, forderte die Darstellerin und Klingelhöfer sagte, er werde das weitergeben. „Ich freue mich und fühle mich geehrt“, sagte Sibel Kekilli nach der Preisübergabe auf dem Weg nach draußen. „Und ich fühle mich irgendwie alt.“ Sie habe einen Preis für ihr Lebenswerk erhalten, „bedeutet das, dass ich jetzt aufhören sollte?“, fragte sie. Mehr hatte sie nicht zu sagen.
Doch sie war bei weitem nicht der einzige Star des Abends, so war die Aufmerksamkeit die Ozan Akbaba zuteil wurde, sehr große. Er ist der Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms „Schau, der Postbote kommt“ („Bak Postacı Geliyor“). „Es ist eine große Ehre für mich, heute Abend hier auf der Bühne zu stehen, an einem Abend, an dem so bedeutende Persönlichkeiten ausgezeichnet werden“, so Akbaba, der von Festivalpräsident Hüseyin Sıtkı eine Ehrenplakette erhielt.

Mit dem Treuepreis, allerdings posthum, wurde der Schauspieler Yilmaz Zafer geehrt, der vor mehr 30 Jahren verstarb. Die Trophäe nahmen seine Frau Perihan Savas und sein Sohn Savas Zafer entgegen. Und dieser Augenblick zählte zu den emotionsgeladensten des Abends. Sichtlich bewegt sagte Perihan Savaş: „Heute Abend erinnerte ich mich an einen Satz von Yılmaz: ,Wenn ich eines Tages nicht mehr bei dir bin, schau in den Himmel. Der hellste Stern bin ich, und ich werde auf dich aufpassen.’“
Auch sein Sohn Savaş Zafer zeigte sich tief berührt: „Ich war noch sehr klein, als mein Vater starb. Ich hätte gerne mehr Erinnerungen mit ihm geteilt. Doch alles, was ich über ihn gehört und erfahren habe, hält sein Andenken lebendig.“
Fotos: Enrico Sauda










