Wirtschaft fordert klares Bekenntnis zum Frankfurter Hafen und warnt vor Wohnbebauung

Frankfurt (RED/NORSCH) Der Frankfurter Osthafen ist weit mehr als ein Umschlagplatz für Güter. Er ist ein zentraler Baustein der Wirtschafts- und Verkehrsstruktur der Region. „Der Hafen muss weit über das Jahr 2050 hinaus erhalten bleiben. Dafür braucht es eine verbindliche Garantie der Stadt Frankfurt. Nur mit einer langfristigen Bestandsgarantie erhalten die Unternehmen die notwendige Investitionssicherheit“, sagte Clemens Christmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main, bei einer Pressetour durch den Osthafen.

Eine Umwandlung in Wohnbebauung wäre aus Sicht der Wirtschaft ein schwerer Fehler. Der Standort verfügt bereits über eine Infrastruktur, die andernorts erst mit erheblichem Aufwand geschaffen werden müsste. Straße, Schiene, Wasserweg und die Nähe zum Flughafen bilden ideale Voraussetzungen für moderne Logistik. Unternehmen aus den Bereichen Bauwirtschaft, Recycling, Entsorgung und Rechenzentren profitieren von den kurzen Wegen und der engen Vernetzung.

Auch für den Klimaschutz spielt der Osthafen eine wichtige Rolle. Ein einziges Binnenschiff ersetzt bis zu 150 Lastwagen und entlastet damit Straßen, Umwelt und Infrastruktur gleichermaßen. Güterzüge mit bis zu 100 Containern können direkt be- und entladen werden und stärken den klimafreundlichen kombinierten Verkehr.

Nach Einschätzung der Wirtschaft wird der Güterverkehr auf dem Main künftig eher zu- als abnehmen. Umso wichtiger sei es, Investitionssicherheit zu schaffen und die Hafen- und Industrieinfrastruktur weiter auszubauen. Der Frankfurter Osthafen gilt deshalb als unverzichtbarer Standort für die Versorgung der Region und als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Logistik.

Zusätzliche Dringlichkeit erhält die Forderung durch die aktuelle Niedrigwasserlage. Anhaltende Trockenheit hat die Pegelstände am Rhein auf historische Tiefstände fallen lassen. Am Pegel Kaub, der für die Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und den Nordseehäfen maßgeblich ist, wurde der bisherige Tiefstwert aus dem Jahr 2018 unterschritten. Binnenschiffe können deshalb nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung aufnehmen, die Transportkosten steigen entsprechend. Die IHK fordert den Bund auf, die Abladeoptimierung Mittelrhein zügig fertigzustellen um Binnenschiffen auch bei Niedrigwasser mehr Zuladung zu ermöglichen.. „Das Niedrigwasser führt vor Augen, wie verwundbar die Lieferketten der Region sind. Wer Güterverkehr auf das Wasser verlagern will, muss die Wasserstraßen zuverlässig befahrbar halten. Dazu gehört auch ein leistungsfähiger Osthafen in Frankfurt“, sagt Dr. Christmann.

Christian Eichmeier, Vorsitzender GFH: „Der Frankfurter Osthafen besticht durch seine Stadtnähe und gut ausgebaute Infrastruktur und dient somit der Ver- und Entsorgung der Stadt mit den trimodalen Möglichkeiten der Abbildung von Güterverkehren. Die Transportmodi Binnenschifffahrt und Bahn bedienen umweltfreundlich die langen Distanzen, und die Abholung und Zustellung der Güter reduziert sich für den Straßenverkehr auf die sogenannte ‚erste und/oder letzte Meile‘. Dieser Vorteil muss unbedingt erhalten bleiben, damit die Verkehrsströme auch zukünftig nachhaltig in und aus der Region und der Stadt Frankfurt gesteuert werden können.“

Daniel Imhäuser, Vorstand GFH und Geschäftsführer Blasius Schuster: „Der Frankfurter Osthafen ist in seiner heutigen Struktur ein Standort, den viele Metropolregionen weltweit erst noch entwickeln möchten. Hier ist über Jahrzehnte ein bemerkenswertes Ökosystem entstanden. Güter wechseln unkompliziert zwischen Straße, Schiene und Wasserstraße. Viele Unternehmen im Hafen arbeiten sogar intensiv zusammen, was die regionalen Wertschöpfungskreisläufe verbessert. Davon profitiert am stärksten die Frankfurter Bauwirtschaft: Baustellen werden nach kurzen Transportwegen versorgt und entsorgt – und die Straßen im Stadtgebiet extrem entlastet.“

Kawus Khederzadeh, Managing Director Contargo Rhein-Main: „Der Osthafen leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Region, zur Entlastung der Straßen und zum klimafreundlichen Gütertransport. Der Frankfurter Osthafen ist weit mehr als ein Umschlagplatz: Er ist das Tor der Region zu den europäischen Seehäfen, entlastet Straßen, reduziert CO₂ und sichert Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze in Frankfurt.“

Die Wirtschaftsvertreter besuchten den Osthafen, um sich vor Ort einen Überblick über dessen besondere Lage zu verschaffen und auf dessen zentrale Bedeutung für die Wirtschaft in Frankfurt und der Region aufmerksam zu machen. Als Resultat aus den gesammelten Eindrücken appellieren sie einstimmig an die Stadt Frankfurt den Osthafen langfristig als trimodalen Standort für Verlader und Gewerbe auch über das Jahr 2050 hinaus zu sichern und entsprechend in die vorhandene Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Die aktuelle Niedrigwasserlage unterstreicht diese Forderung.

Fotos: DER FRANKFURTER/Beate Tomann

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