Riederwald weiß, dass Frankfurt größer tut, als es manchmal ist. Hier sind die Wege kurz, die Häuser überschaubar und die Nachbarschaft noch eine Angelegenheit, bei der man sich nicht erst über eine App kennenlernen muss. Der Stadtteil liegt zwischen Bornheim, Seckbach und Fechenheim – und doch wirkt er ein wenig wie eine eigene kleine Stadt. Die U4 und U7 bringen Menschen hinein und wieder hinaus. Wer nur durchfährt, sieht vielleicht eine alte Arbeitersiedlung, viel Grün und die großen Verkehrsachsen ringsum. Wer aussteigt und läuft, merkt schnell: Hier steckt mehr drin. Geschichte etwa. Architektur. Vereinsleben. Und erstaunlich viel Alltag. Riederwald ist kein Stadtteil, der sich um Aufmerksamkeit bemüht. Er hat dafür auch wenig Zeit. Zwischen Schäfflestraße, Siedlungshäusern, Licht- und Luftbad und dem ganz normalen Frankfurter Wahnsinn findet sich ein Viertel, das seine Ruhe kennt – aber nicht seine Geschichte vergessen hat.

BU: Ruhige Straßen, begrünte Vorgärten, kurze Wege: Riederwald hat seinen eigenen Rhythmus. (Foto: BG)

Die Straße, die den Riederwald zusammenhält

Die Schäfflestraße ist so etwas wie die Visitenkarte des Riederwalds – nur ohne den Zwang, geschniegelt auszusehen. Die Allee führt mitten durch die historische Arbeitersiedlung, vorbei an Vorgärten, Kirchen, sozialen Einrichtungen und Plätzen, an denen der Stadtteil seinen Alltag erledigt. Lange war die Straße vor allem Verkehrsraum: Autos, dunkle Beleuchtung, wenig Platz zum Bleiben. Das änderte sich mit der Neugestaltung, die 2018 abgeschlossen wurde. Heute sind Gehwege heller, Plätze aufgeräumter und die Straße stärker auf Menschen ausgerichtet. Der alte Baumbestand blieb dabei ebenso wichtig wie die denkmalgeschützte Bebauung. Besonders schön: Man muss hier nicht wissen, was Stadtplanung bedeutet, um zu merken, dass sich etwas verändert hat. Die Schäfflestraße funktioniert inzwischen weniger als Durchfahrt und mehr als Teil des Viertellebens. Genau dafür sind Straßen schließlich da.

BU: Alte Bäume, Vorgärten und denkmalgeschützte Häuser prägen die Straße. (Foto: BG)

 

Riederwald zum Mitnehmen

Manchmal braucht ein Stadtteil kein großes Café mit Spezialitätenkarte, Innenarchitektur und einem Namen, den man erst googeln muss. Manchmal reicht ein Stehcafe. An der Schäfflestraße 1 liegt genau so ein Ort: früh morgens Kaffee, frische Baguettes und Sandwiches, dazu Kuchen, Frühstück und die Aussicht, dass der Tag vielleicht doch noch etwas wird. Das Angebot ist bodenständig, vegetarische Speisen gibt es ebenfalls. Wer keine Zeit hat, nimmt etwas mit. Wer Zeit hat, bleibt sitzen. Oder steht eben. Der Name lässt da gewisse Freiheiten. Geöffnet ist unter der Woche bereits ab fünf Uhr – ein Service für alle, deren Tag beginnt, bevor Frankfurt überhaupt richtig wach ist. Für Besucher ist das Stehcafe ein guter Zwischenstopp. Für die Nachbarschaft vermutlich eher das, was solche Orte immer schon waren: ein unkomplizierter Platz, an dem Kaffee wichtiger ist als Konzept.

Wo Grünfläche lebendig wird

Das Licht- und Luftbad klingt ein bisschen nach Kururlaub. Ist es aber nicht. Das LiLuBa entstand um 1920 und ist bis heute ein Treffpunkt für Kinder, Eltern, Jugendliche und alle, die zwischendurch einfach mal draußen sein wollen. Alter Baumbestand, viel Platz, Spielmöglichkeiten – und direkt daneben der Abenteuerspielplatz Riederwald. Dort darf es ausdrücklich etwas wilder werden. Klettern, spielen, bauen, toben: Das pädagogisch betreute Angebot gehört seit Jahrzehnten zum Stadtteil. Das LiLuBa wiederum wird ehrenamtlich vom Verein LiLuBa getragen und lebt von Veranstaltungen und Engagement. Wer hierherkommt, merkt schnell, dass Grünfläche nicht automatisch Parkbank bedeutet. Man kann auch etwas daraus machen. Am 6. September 2026 lädt der Abenteuerspielplatz zum Spielfest auf dem Riedberg ein. Für den Riederwald gilt trotzdem: Das nächste Abenteuer liegt näher.

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