Kolumne von Mick Knauff
Jedes Mal, wenn ich hierzulande an die Zapfsäule fahre, frage ich mich: Tanke ich eigentlich Benzin – oder leiste ich gerade wieder einen ordentlichen Beitrag zur Sanierung des Bundeshaushalts? Ein Blick nach Polen, Luxemburg, Tschechien oder Österreich genügt, und die Antwort liegt auf der Hand. Dort scheint der Kraftstoff weder aus flüssigem Gold noch aus Einhorntränen hergestellt zu werden. Er ist schlicht günstiger. Offenbar gibt es Regierungen, die im Autofahrer nicht automatisch den zuverlässigsten Steuerknecht des Landes sehen.
In Deutschland dagegen hat man das Tanken zur Königsdisziplin der Abgabenpolitik erhoben. Energiesteuer, CO₂-Abgabe und anschließend noch Mehrwertsteuer – sogar auf die bereits kassierten Steuern. Steuer auf Steuer – da muss man neidlos anerkennen: Wenn deutsche Politik irgendwo Weltklasse ist, dann beim Erfinden neuer Belastungen. Schade nur, dass diese Kreativität beim Bürokratieabbau regelmäßig eine längere Kaffeepause einlegt, denn sonst wären wir vermutlich längst Weltmeister.
Fast schon rührend ist die viel gelobte 12-Uhr-Regelung. Sie sollte Wettbewerb schaffen und den Autofahrer entlasten. Herausgekommen ist eine App, die mir sekundengenau zeigt, wann ich am wenigsten zu viel bezahle. Morgens teuer, mittags etwas günstiger, abends oft am billigsten. Herzlichen Glückwunsch! Das ist ungefähr so hilfreich, als würde mir mein Metzger mitteilen, an welchem Wochentag das Schnitzel etwas weniger teuer ist – am Preis ändert sich trotzdem kaum etwas.
Während andere Länder ihre Bürger über niedrigere Steuern oder mehr Wettbewerb entlasten, erklärt man uns hierzulande, warum all das leider nicht möglich ist. Für Entlastungen fehlt angeblich das Geld aber erstaunlicherweise nie für neue Belastungen.
Was mich wirklich ärgert, ist nicht der hohe Spritpreis. Es ist die fehlende Ehrlichkeit. Natürlich bestimmen Ölpreis und Krisen den Markt. Aber genauso wahr ist: Der Staat verdient an jedem Liter kräftig mit. Warum sagt man das nicht einfach? Die Bürger würden es vielleicht nicht gut finden – aber sie würden es wenigstens ernst nehmen. Ehrlichkeit schafft Vertrauen. Und genau daran herrscht an vielen Zapfsäulen, wie auch in der Politik inzwischen der größte Mangel.
Mick Knauff
Börsenkorrespondent / Aktienlust TV









