Frauenrechtlerin erhält Auszeichnung für ihren Kampf für Freiheit und Demokratie
PAULSKIRCHE/INNENSTADT (ES) Die iranisch-amerikanische Journalistin, Frauenrechtlerin und Autorin Masih Alinejad hat den ersten Paulskirchenpreis für Demokratie erhalten. Kurz bevor sie in der ersten Reihe in der Paulskirche Platz nimmt, reckt sie die rechte Faust nach oben und ruft „azadi“, Freiheit auf persisch und auf englisch.
Überreicht wurde der mit 50.000 Euro dotierte Preis von Oberbürgermeister Mike Josef und der Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner. Sie sei eine Frau mit klarem Kompass, mutig, kraftvoll, laut, streitbar und mit Haltung, sagte Josef in seiner Begrüßungsrede. Sie wehre sich nicht nur abstrakt, sondern konkret, zum Beispiel indem sie sich gegen den vom Regime geforderte Kopftuchzwang wehement einsetzt.

In ihrer Heimat sei sie verfolgt und bedroht worden, weil sie laut ist, hier werde sie dafür geehrt, sagte Masih Alinejad. „Ich nehme diesen Preis an, um die Frauen im Iran, die politischen Gefangenen, die Mütter und Väter der Freiheitskämpfer, die getötet wurden, weil sie dieser brutalen Diktator Widerstand geleistet haben, zu würdigen“, so Masih Alinejad, der geraten worden war, nicht zur Preisverleihung zu kommen, weil dies zu gefährlich für sie sein könnte. Sie aber kam – und zwar wortgewaltig mit einer weiß-gelben Blume und ihrem Mann.
Zwar hatte sie eine Rede vorbereitet, doch sie hielt sich kaum daran, sondern warnte vor dem Regime im Iran. Es kümmere sich nicht um internationale Gesetze, „aber ich bringe sie ihnen bei“, rief sie von der Kanzel aus. Den Terrorismus, der von diesem Regime ausgehe, zu bekämpfen, sei ein Zeichen von Gerechtigkeit. „Wenn wir den Krebs nicht besiegen, dann wird der Krebs irgendwann uns besiegen“, mahnte sie und fragte die vielen hundert Anwesenden, ob sie bereit wären für Demokratie und Freiheit zu sterben – „Millionen Irani sind es. Ich bin es“, sagte sie.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat den Protest der Menschen im Iran gewürdigt. „Der Freiheitskampf im Iran ist kein westlicher Export in dieses Land“, sagte die CDU-Politikerin. Er komme aus der Mitte der Gesellschaft und sei Ausdruck des Willens eines Volkes nach Recht und Freiheit.
Masih Alinejad sei „eine Frau, für die im Iran kein Platz vorgesehen war“, sagte Klöckner. Sie zeige Frauen, dass Gehorsam eben nicht naturgegeben sei. Erst vor wenigen Tagen habe es einen Tötungsversuch gegen sie gegeben. Masih Alinejad erinnerte sich an ihre erste Begegnung mit Julia Klöckner. Damals sei sie frustriert von den deutschen Politikern gewesen. Doch: „Ich kann Deutschland kritisieren und zurückkommen. Das nennt sich Demokratie. Und das ist, was ich für mein Land will.“
Vor ihrer Rede trat unter anderem der Stiftungschor der Polytechnischen Gesellschaft auf. Das rührte Masih Alinejad zu Tränen, die sich zuvor ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte. „Denn in meinem Land dürfen Frauen nicht singen. Wir kommen ins Gefängnis, wenn wir singen.“ Islamistische Ideologie sei eine Waffe gegen Menschlichkeit, Demokratie und ein normales Leben.“
Übrigens: Der Paulskirchenpreis ist der einzige Preis, den die Stadt Frankfurt selbst vergibt und der sich explizit der Demokratie widmet. Kurz zum Hintergrund: Die Idee dieses Preises, der an die Nationalversammlung 1848 erinnern soll, ist schon älter. Sie stammt aus der Zeit, als der 175. Jahrestag der Paulskirchenversammlung gefeiert wurde und die Auszeichnung hätte schon früher, nämlich 2023 in der letzten Festwoche, vergeben werden sollen.
Doch kommunalpolitische Auseinandersetzungen brachten das Vorhaben erst ins Stocken, dann zum Erliegen. Es gab Kritik an der Zusammensetzung der Jury – der gehören nun an: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie die Präsidentin des Hessischen Landtags Astrid Wallmann, die Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, die Kulturdezernentin Ina Hartwig, die Diversitätszernentin und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (alle qua Amt), zudem sitzen in der Jury noch die Soziologin und Publizistin Ulrike Ackermann, die Friedens- und Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff, der Popmusiker und „Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel, die Autorin, Menschenrechtlerin und Journalistin Düzen Tekkal, der Jurist und frühere Bundesverfassungsgerichts-Präsident Andreas Voßkuhle sowie der Historiker Michael Wolffsohn.
Der Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden. Für den Preis können Einzelpersonen, Organisationen, bürgerschaftliche Gruppen und Vereinigungen oder Institutionen vorgeschlagen werden, die sich in herausragender Weise für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat einsetzen sowie die Teilhabe aller an einer vielfältigen und diversen Demokratie fördern.









