Ein Gruß zum Osterfest von Pfarrer Werner Portugall

Jede/r hat ein Recht auf eine glückliche Kindheit. Zu meiner gehört die Erinnerung an ein Ostern, das bis heute wie so ein oller Super-8-Film in meinem Gedächtnis abrufbar ist. Damals, als das Dorf noch lebendig war und fußläufig von Wildwiesen am Waldrand umgeben, damals war da ein sonniger Ostermontag, an dem ich mit Bruder, Cousin und Cousine eine unvergessliche Ostereiersuche erlebte. Während meine Mutter und die Tanten sich nach dem Kaffee ihrem selbstgemachten Eierlikör und einem Plausch zuwandten, gingen wir mit unserem Vater und den Onkeln auf die Jagd nach dem Osterhasen, der eben noch draußen von einer Tante gesichtet worden war, sich aber aus dem Staub gemacht hätte. Sie schwöre gesehen zu haben, wie er dabei in der Hektik Einiges aus seinem Korb verloren hätte.
Also, nichts wie hinterher, an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts! Den Hasen bekamen wir weder zu sehen noch zu fassen, aber die Ausbeute dieser österlichen Suche war für uns Kinder die aufregende Schatzsuche durch Wald und Wiesen auf jeden Fall wert. Einer der Onkel hat das alles fotografisch festgehalten, wie wir stolz mit unseren Körben auf einem Feldweg stehen, rundherum zufrieden. Osterhasen sind halt nicht zu fassen, und mit dem Feldhasen wird es auch immer schlimmer. „Meister Lampe geht es schlecht bei uns“, schreibt der Nabu. Die Bestände des Wildtiers haben sich seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts um 75 Prozent reduziert. Längst steht der Hase auch hierzulande auf der roten Liste bedrohter Arten. Die Folgen einer industrialisierten Landwirtschaft nehmen auch ihm den Lebensraum. Keine schöne Ostergeschichte!

Aber ist das in der Bibel eigentlich anders? Da wird davon erzählt, wie der Auferstandene nicht zu fassen und festzuhalten ist und zugleich die Trauer und Not derjenigen wendet, die hinter ihm her sind. Das Epizentrum von Ostern entzieht sich abschließenden Deutungen, aber es motiviert Menschen, mit Zuversicht und Hoffnung neu ins Leben zu gehen. Zugleich verleugnen die Osterberichte das Leid nicht und auch nicht die Wunden des auferstandenen Jesus Christus. Das Elend der Welt, ihre Verletzlichkeit – all das wird nicht ausgeblendet, eine Grundspannung, die zum christlichen Osterfest dazu gehört.

2026 feiern wir dieses Fest inmitten von Kriegsnachrichten und politischen Verwerfungen, die zum Davonlaufen sind. Doch überall auf der Welt finden Christinnen und Christen trotz des Elends, mit dem sie alltäglich konfrontiert sind, in diesem Fest einen Impuls, die Fackel der Hoffnung hochzuhalten und weiterzureichen. Sie dienen dem Leben – hartnäckig und zuversichtlich, auf dass es Menschen und Mitgeschöpfen besser gehen möge. In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Pfarrer Werner Portugall

Foto: privat

 

 

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