Wer nicht gerade den „Ginnemer Schbarschl“ verspeisen will, bekommt hier noch mehr zu sehen als einen hohen Turm. Es ist ein aufblühendes Viertel, in dem die letzten Jahre viele Neuerungen durchgeführt wurden, um den Ginnheimern günstigen Wohnraum zu ermöglichen sowie eine gefestigte Infrastruktur zu bieten.

Platensiedlung

Mitten in Ginnheim findet sich die Platensiedlung. Ihr Ruf eilt ihr voraus, Drogenhandel und Familiendramen spielten sich hier zu Genüge ab. Wie in Gangster-Serien haben auch hier kriminelle Großfamilien das Zepter in der Hand gehalten.

2019 sollte dann die Wende kommen: Durch Kündigung ist es der Wohnungsbaugesellschaft der Platensiedlung gelungen, Familien, die für Missstände im Viertel gesorgt haben, endgültig einen Riegel vorzuschieben. Sie mussten das Viertel verlassen und machten Platz für Neuerungen. Die 342 Bestandswohnungen wurden saniert und die 19 dreistöckigen Bestandsgebäude um zwei Geschosse aufgestockt. Durch die Nachverdichtung konnten so 680 neue Wohnungen geschaffen werden. Durch die genutzten Holzbauteile sind die Wohnungen besonders preisgünstig.

Die Stadt Frankfurt versucht seitdem, das Viertel wieder attraktiv zu machen. Das Stadtquartier wurde durch Geschäfte, Gewerbeflächen und Kindertagesstätten ergänzt. Mit gleich fünf neuen Tiefgaragen soll Frankfurts bekanntestes Problem „Wo soll ich nur parken?“ in diesem Viertel keines mehr sein.

Das Ginnheimer Wäldchen & Volkspark Niddatal

Die Natur kommt in Ginnheim nicht zu kurz: Durch die Nähe zur Nidda, bietet das Waldgebiet eine schöne Strecke für Spaziergänger. Das Gehölz besteht in Teilen aus einem Eichen- und Hainbuchen-Mix, weiter findet sich hier reizvolle Begrünung. Das Wäldchen liegt um den Volkspark Niddatal herum.

Der Volkspark Niddatal hat für die Bürger Frankfurts Spiel- und Sportanlagen bereitgestellt, an denen sich Groß und Klein austoben können. Mit einem Fitnessparcours dient die Anlage auch gesundheitlichen Aspekten. Viele der Sportanlagen werden von Vereinen genutzt.

Geografisch grenzt der Park allerdings nur an Ginnheim und liegt mehr in Praunheim. Dennoch ist es auch für die Ginnheimer ein gern besuchter Ort.

Ein besonderes Highlight des Parks ist die Lindenallee mit Bastionen. Eine 900 Meter lange, mit rund 300 Kaiserlinden bestückte Allee. In den Enden und der Mitte hat die Allee drei Bastionen, die dabei helfen, in die Talräume der Niddaaue zu schauen.

Alte Bethlehemkirche

Geweiht wurde die alte Bethlehemkirche im Jahr 1700. Heute ist es ein beliebter Ort für Hochzeiten, Taufen und Konfirmationsjubiläen. Manchmal werden sogar kleine Konzerte in der „Dorfkirche“ veranstaltet. Leider ist die Kirche für Besucher nur bei Veranstaltungen geöffnet. Die Kirche entstand damals nach Plänen des Architekten Klaus Peter Heinrici und befindet sich in der Straße „Fuchshohl“.

Sie hat einen sechseckigen Grundriss und einen dreißig Meter hohen Glockenturm. Eine Lichtkuppel in der Dachmitte und Schlitze in den Wänden sorgen für einen hellen Innenraum. Altar, Kanzel und Lesepult sind in der Raummitte auf einem Podest angeordnet, das auch weggeräumt werden kann. Über der Kirchentür befindet sich die Zahl „1699“, sie erinnert an die Grundsteinlegung. Die barocke Saalkirche erhielt 1922 einen neuen Anstrich: Empore, Bänke, Kanzel und Orgel grün-grau mit goldenen Linien und die Holzwände dunkelrot. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde die Kirche im Jahr 2000 erneut renoviert und saniert.

Nicht zu verwechseln ist die alte Kirche mit der neuen evangelischen Bethlehemkirche. Diese wurde als Ergänzung zur alten gebaut, da aufgrund neuer Wohnviertel immer mehr Gemeindemitglieder dazukamen. Sie befindet sich nur wenige Meter entfernt.

Ginnheimer Ponys finden neue Heimat

Sie sind süß, flauschig und lassen Kinderherzen höher schlagen: Die Ponys auf dem Ginnheimerhof sind nicht nur für die Kleinen eine Attraktion, sondern auch Erwachsene erfreuen sich daran.

Doch um den Ponyhof in Ginnheim gibt es schon seit langem immer wieder Streit. Der Hof muss bald umziehen und die kleinen Pferde verlieren so ihr Zuhause. Bereits seit 30 Jahren hat die Stadt Frankfurt das Gelände des Hofes verpachtet, doch nun soll es durch eine Containeranlage ersetzt werden. Grund dafür ist die Auslagerung der Diesterwegschule, die saniert werden muss. Bis Ende September muss der Ponyhof weg sein.

Händeringend hat die Stadt nach einer Alternativfläche für den Ponyhof gesucht, doch bisher hat sich noch kein angemessener Platz finden lassen. Daher haben sich die beiden Gestütbesitzerinnen selbst auf die Suche gemacht und in Osthessen einen geeigneten Bauernhof finden können.

Ginnheimer Spargel

Obwohl er eigentlich in Bockenheim steht, hat er es thematisch, durch seinen prägnanten Name, in das Stadtteilleben von Ginnheim geschafft.

Der Ginnheimer Spargel, wie der Fernsehturm Frankfurts im Volksmund genannt wird, liegt am Ginnheimer Stadtweg 90. Wodurch die meist falsche Zuordnung zum Stadtteil Ginnheim vollzogen wird. Neuhessisch heißt der Schlanke Turm übrigens „Ginnemer Schbarschl“ oder kurz einfach „Ginni“.

Der Europaturm, wie er offiziell heißt, ist mit einer Höhe von 337,5 Metern der zweitgrößte Fernsehturm in Deutschland. Witzigerweise wurden bis in die 1990er-Jahre über den Turm keinerlei Fernsehsignale übertragen. Daher war die Bezeichnung „Fernsehturm“ lange Zeit unpassend. Er sendete ausschließlich Daten-, Fernsprech- und Hörfunksignale.

Heute wird der Turm von der Deutschen Telekom betrieben. Diese nutzt ihn als Empfangsstation für Satellitensignale und verteilt diese über Frankfurt und Südhessen.

(Text / Fotos: TL)

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