Preungesheim überzeugt nicht nur durch seine bestechenden Grünflächen und das top ausgebaute Neubaugebiet, sondern auch mit seinen historischen Besonderheiten im restlichen Stadtgebiet von Preungesheim.

Früher hieß es hier noch „Bruningsheim“

Preungesheim hat seinen Namen doch tatsächlich von seinem ersten Bewohner erhalten. Der hieß wohl Brunicho oder Brunico und hatte im 6. Jahrhundert nach Christus bereits sein Heim am Nordhang des „Bürger Rückens“ erbaut und nannte das Gebiet daher „Bruningsheim“. Ab dem Jahr 772 tauchte Preungesheim auch das erste Mal in Urkunden auf. Somit ein paar Jahre bevor man Belege zu Frankfurt finden kann.

Preungesheim gehörte nicht immer zu Frankfurt. 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg und so auch das, was wir heute als Preungesheim kennen, an den damaligen König von Hanau. Daraufhin hat der Kaiser der Stadt wieder versucht den Berg einzulösen. Nach langem hin und her konnten sich Frankfurt und Hanau 1481 auf einen Vergleich einigen. Frankfurt bekam Bornheim, Hausen und Oberrad zugesprochen und Preungesheim wurde hanauisch. Erst 1910 wurde Preungesheim dann offiziell eingemeindet.

Frankfurter Bogen

Der „Frankfurter Bogen“ ist eine Wohnsiedlung in Preungesheim, die ursprünglich, bezahlbares Wohnen in Frankfurt ermöglichen sollte. Die Siedlung wird auch das „Apfel-Quartier“ genannt, da es in dem Gebiet früher viele wilde Gärten, Schrebergärten und Obstwiesen gab. Die Bebauung des Neubaugebiets sollte in drei Abschnitten erfolgen. Die ersten beiden Abschnitte, mit einigen Miet- und Eigentumsbauten sind bereits abgeschlossen. Der dritte Abschnitt ist noch in Bebauung, doch auch hier sind bereits alle Wohnungen und Grundstücke vergeben. Durch Ausbau des Gravensteiner-Platz und dem Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel hat sich die Infrastruktur positiv entwickelt, doch sind auch die Miet- und Immobilienpreise um bis zu 50 Prozent gestiegen.

Gravensteiner-Platz

Bis etwas los war am Gravensteiner-Platz hat es lange gedauert. Erst März 2016 sind die Bäckerei und andere Einkaufsmöglichkeiten im Neubaugebiet des Stadtteils fertig gestellt worden. Inzwischen ist hieraus ein Einkaufszentrum geworden, dass die Nahversorgung sicherstellen kann. Seit ein paar Jahren findet hier, wenn nicht gerade eine Pandemie stattfindet, das Sommerfest statt. Ganz Preungesheim trifft sich auf dem Platz und feiert gemeinsam bei Bier, Würstchen und Live-Musik. Viele ortsansässige Vereine beteiligen sich.

Sportpark

Seit 2007 hat der „Frankfurter Bogen“ nun auch seinen eigenen Sportpark. Für die Vereine war die Erbauung eine große Priorität, damit diese ortsnah trainieren können. Zu den normalen Öffnungszeiten ist es auch Privatpersonen gestattet, den Sportpark zu nutzen. Die Nutzung der Umkleiden ist jedoch den Schulen, Vereinen und Kitas vorbehalten.

Der Sportpark ist mit verschiedenen Ballsportplätzen, einer Laufbahn und Kleinspielfeldern ausgestattet. Mit einer Sportfläche von über 1000 Quadratmeter können hier Vereine trainieren.  Der Begriff des „Parks“ kommt durch parkähnliche Begrünung der Anlage. Auch Holzmasten für verschiedene Vogelarten wurden angebracht.

Die historische Kreuzkirche

Die Kreuzkirche ist eine mittelalterliche, barock umgebaute Kirche. Die heutige Kirche weist mindestens fünf Vorgängergebäude aus dem Mittelalter auf. Zu Teilen sind diese noch heute im Mauerwerk enthalten. Dies konnte durch eine archäologische Untersuchung zwischen 1998 bis 2002 nachgewiesen werden.

Um die mittelalterlichen Fundamente im Boden besser betrachten zu können, wurden einige Umbauten vorgenommen. Die Kirche ließ im östlichen Innenraum hierzu extra einen Glasboden einbauen. So haben die Besucher vollen Durchblick.

Auch aus späteren Zeiten, hat die Kirche historische Besonderheiten. Durch die gotischen Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert hat die Kirche im Bereich Kunstgeschichte besondere Bedeutung erlangt. Um die Malereien besser zu sehen, wurde die Orgel verlegt und die Ost-Empore entfernt. So stechen die Besonderheiten der Kirche besser heraus.

Nicht gut für den Ruf: Das Frauengefängnis

Da es im Stadtgebiet bereits viele überfüllte Gefängnisse gab, wurde dieses als Entlastungsmaßnahme erbaut. Früher war es noch ein gemischtes Gefängnis, heute dient es nur noch der Beherbergung von Frauen.

Während des Dritten Reiches war das Gefängnis die zentrale Hinrichtungsstätte. Bis zu 500 Hinrichtungen sind hier vollzogen worden. Auch als Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie wurden Häftlinge zu dieser Zeit eingesetzt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gefängnis dann unter US-Verwaltung als Militärgefängnis genutzt. Bis es dann nach Umbau zum Frauengefängnis wurde. Teil des Umbaus war es auch, ein Mutter-Kind-Haus für die Frauen mit einzubinden. Hier gibt es Zellen mit Kinderbett und Wickelkommode. So haben inhaftierte Frauen die Chance mit ihren Kindern zusammenzuleben, bis diese schulpflichtig werden.

Die längste Straße Frankfurts: Die Homburger Landstraße

Mit einer Länge von fast 9 km ist die Homburger Landstraße die längste Straße Frankfurts. Sie führt vom Nordend über Eckenheim, dem Frankfurter Berg und eben auch durch Preungesheim. Die Straße trennt aber auch Preungesheim von Eckenheim. Wer die Homburger Landstraße entlang fährt, hat einen Blick auf beide Stadtteile. Mit Fokus auf die Preungesheimer Straße können mehrere Wahrzeichen Preungesheims direkt beim Durchfahren erhascht werden. Nicht nur Reihenhäuser mit kleinen Vorgärten sind Teil des Stadtbildes, sondern auch das Frauengefängnis sowie die evangelische Kreuzkirche.

Rekordversuch in Sprachenvielfalt

Preungesheim hat versucht, es in das Guinnessbuch der Weltrekorde zu schaffen. 2017 haben 45 Personen Leseproben der Menschenrechtserklärung in 55 Sprachen vorgelesen. Es war Teil des damaligen Nachbarschaftsfests, zu dem sich viele freiwillige Helfer gefunden hatten. Sie wollten zeigen wie bunt und offen Preungesheim mit seinen 106 verschiedenen Nationen im Stadtteil ist. Schwieriger wurde es Vertreter für Minderheitensprachen zu finden. Daher waren auch Sprachwissenschaftler mit dabei, um hier auszuhelfen. Leider ist beim Versuch die Mehrfachreihenfolge durcheinandergeraten. So hörten einige der Zeugen nur noch Sprachgewirr. Linguisten des Guinnessbuchs sollten den Versuch anhand einer Videoaufzeichnung bewerten.

(Text & Fotos: TL)

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