Heddernheim ist bekannt als die Hochburg der Frankfurter Fastnacht. Wer hier aufmerksam durch die Straßen zieht, wird durch ein paar Kleinigkeiten daran erinnert, dass er sich gerade in „Klaa Paris“ befindet. Doch auch wegen dem NordWestZentrum oder auch der Titustherme, ist Heddernheim den Bürgern Frankfurts ein Begriff.

Die Gemaa-Bump

Die Gemaa-Bump ist eine Wasserpumpe aus dem Jahr 1839, die ziemlich unauffällig ist. Nur eine kleine Tafel an der Pumpe beschreibt, dass es wegen der Einrichtung der Pumpe zum ersten Fastnachtsumzug in Frankfurt gekommen ist. In der überlieferten Geschichte heißt es, Handwerksgesellen aus Heddernheim wären nach Abschluss ihrer Wanderjahre (im Mittelalter gingen Gesellen nach Abschluss der Lehrzeit oftmals auf Wanderung) in ihren Heimatort zurückgekehrt waren und eine Nachbildung von der Gemaa-Bump durchs Ort trugen. Bis heute haben die Heddernheimer auf einem ihrer Motivwagen eine Nachbildung dieses Wahrzeichens beim Fastnachtszug mit dabei.

Getroffen wird sich seitdem jedes Jahr um 14.14 Uhr, an der Gemaa-Bump, um gemeinsam mit dem Fastnachtszug zu starten.

Klaa Paris

Närrisch geht es gleich weiter, mit dem bekanntesten Fastnachtszug Frankfurts: Klaa Paris.

Der Name ist das letzte Jahrhundert bereits Programm und soll darauf hinweisen, dass die Heddernheimer ein lebenslustiges Völkchen sind, wie die Groß-Pariser.

Am 11. November beginnt die Fastnacht und dann zieht die Kapelle des Fastnachtszuges mit einigen Truppen durchs „Dorf“. Damit beginnt die fünfte Jahreszeit. Auch als Freundeskreis kann man sich eine Zug-Nummer geben lassen und mit einem Bollerwagen gemeinsam als Trupp mitgehen.

Heddernheim hat dementsprechend auch nicht nur einen Karnevalsverein. Der älteste und auch bekannteste Verein sind der „Heddemer Käwwern e.V.“. Seit 1882 verbreiten die Jäcken über die fünfte Jahreszeit hinweg gute Laune in Klaa Paris. Über die Grenzen Heddernheims hinweg konnten sie so an Bekanntheit gewinnen. Auch die Prinzen- und Prinzeßgarde des Vereins begleitet das Frankfurter Prinzenpaar schon seit langer Zeit.

Doch es gibt auch noch weitere Heddernheimer Faschingsvereine: Die Zuggemeinschaft Klaa Paris e.V. und den Karneval-Club Fidele Naussauer 1931 e.V.

Die Zuggemeinschaft organisiert den jährlich stattfindenden Fastnachtsumzug in Heddernheim und kümmert sich um die Pflege der volkstümlichen Straßenfastnacht. Der Vereinsring Heddernheim veranstaltet zusätzlich jedes Jahr im Juni ein Straßenfest.

Das Heddernheimer Schloss

Das Heddernheimer Schloss befindet sich in Alt-Heddernheim und ist ein eher unscheinbares Gebäude. Abgesehen von dem Wappen an der Hauswand, erkennt man rein äußerlich nicht, dass es sich hierbei mal um ein prunkvolles Gebäude für den Adel gehandelt hat.

Es handelt sich um einen frühneuzeitlichen Schlossbau der Adelsfamilie Riedt. Das Gebäude hatte jedoch im Zweiten Weltkrieg erheblichen Schaden durch Fliegerbomben erlitten. Das Dach wurde danach nicht mehr im alten Stil wiederaufgebaut.

Heute befindet sich das Heimatmuseum im Gebäude. Ebenfalls im Gebäude ansässig ist der oben erwähnte Verein: Der Heddemer Käwwern e.V. Da das barocke Gebäude inzwischen renovierungsbedürftig ist, fordert der Bürgerverein dazu auf, das Gebäude wieder mit Leben zu füllen und es zu erneuern. Sie wünschen sich einen Bürgertreffpunkt sowie einen Veranstaltungssaal in dem Anwesen. Die Daumen sind gedrückt, dass das Schloss bald wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Ernst-May-Musterhaus und Siedlung „Römerstadt“

1927 wurde im Burgfeld 136 das Ernst-May-Musterhaus gebaut. Ernst May machte in den 1920er Jahren durch einen revolutionären Erweiterungsplan nach dem Prinzip der Trabantenstadt von sich reden. Als gebürtiger Frankfurter, wurde er 1925 von seiner Vaterstadt zurückgerufen, wo er als maßgeblicher Akteur des „Neuen Frankfurts“ weltbekannt wurde. Als „Neues Frankfurt“ bezeichnet wird: Das riesige Bauprojekt der Stadt, das die Wohnungsnot der Stadt lindern sollte. Durch die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Machtergreifung der Nationalsozialisten blieb dieses tiefgreifende Projekt lediglich eine kurze Episode.

Im Ernst-May-Musterhaus ist das gesamte Wohnkonzept zur Gänze rekonstruiert. Das historische Wohnambiente aus den 1920er Jahren wurde nachgestellt und kann heute besichtigt werden. Höhepunkt ist die am ursprünglichen Platz wieder hergestellte „Frankfurter Küche“. Das „Neue Frankfurt“ spiegelt sich hier in Möbeln, Haustechnik und dem Farbkonzept wider. Auch ein Maygarten gehört zum Mayhaus. Der Nutzgarten wurde denkmalgerecht und detailgetrau, bis hin zur historischen Bepflanzung, wiederhergestellt. Das Mayhaus ist außerhalb der Corona-Pandemie gegen einen kleinen Betrag für Besichtigungen geöffnet.

Wer durch Heddernheim zieht, wird viele dem Musterhaus ähnlich ausschauende Objekte sehen genannt „die Römersiedlung“. Gerade die Gärten in der Siedlung sind ein Highlight. Sie schaffen für die Frankfurter Bürger eine kleine Oase inmitten der Großstadt. Viele haben auch kleine Dachgärten, die sie bepflanzen. Es ist einfach ein besonderer Flair der dadurch entsteht, dass so viele identische Häuser aneinandergereiht sind.

2025 feiern die Siedlungen des Neuen Frankfurts ihr 100-jähriges Jubiläum. Dies nimmt die Stadt Frankfurt zum Anlass, die Siedlungen wieder instand zu setzen und zu modernisieren.

Gedenktafel der Heddernheimer Synagoge

Doch Heddernheim ist nicht nur Spaß und Karneval. Schlimmes ist, wie auch im restlichen Deutschland, in Heddernheim geschehen. Hieran gedenkt eine Tafel vor dem Wohnhaus Alt-Heddernheim 31-33. Sie ist der Synagoge gewidmet, die bereits 1760 im Stadtgebiet erbaut wurde. 1938 kam es dann zu der Verwüstung der Synagoge. Mitglieder einer Gruppe NSDAP-Angehöriger drangen in das Gebäude ein, rissen Vorhänge ab, zerrissen Tora-Rollen und warfen sie auf den Boden. Das Gebäude wurde nur nicht in Brand gesteckt, da eine zu große Brandgefahr für die umliegenden Gebäude bestand. 1943 wurde die Synagoge abgerissen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus errichtet.

Vor der Zeit des Nationalsozialismus lebten hier Juden und Christen jahrhundertelang miteinander. Doch wie auch im restlichen Deutschen Reich, war es durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten damit vorbei.

 

Heddernheim hat nicht nur durch die Gärten in der Ernst-May-Siedlung viel Grün, sondern auch die Nähe zur Nidda lässt Spaziergänger mit einem Blick auf die Skyline die Natur genießen. Es ist also auch außerhalb der Fastnachtszeit einen Besuch wert.

(Text:TL)

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